Kurzmitteilung

Paris im Herbst, die letzten Monate des Jahres und das Ende des Jahrtausends. Die Stadt ist für mich mit vielen Erinnerungen verbunden: Erinnerungen an Cafés, an Musik, an Liebe und an Tod…

Ok, ich hab’s getan, ich habe meinen Text auch mit George Stobbarts einleitenden Worten begonnen. Man müsste mal überprüfen, wie viele Artikel über Baphomets Fluch (Broken Sword) damit eingeleitet wurden. Nun, wenn man schon mal die Arbeit abgenommen bekommt eine Einleitung zu verfassen, muss man die Gelegenheit wohl nutzen.

Aber im Ernst. Das diese Einleitung so häufig verwendet wird, kommt natürlich nicht von ungefähr. Der Beginn von Baphomets Fluch ist einer dieser magischen Momente, die es eigentlich zu selten in Spielen gibt. Einer dieser Momente die sich festsetzen und an die man immer wieder gerne zurückdenkt. Immer wenn ich dieses Intro sehe und die wohlbekannte Musik höre, verspüre ich sofort den Wunsch nach Paris zu reisen. Mir die Stadt anzusehen und mich in ein kleines Straßenkaffee zu setzen. Nur die Bombe muss nicht unbedingt sein.

Aber der Reihe nach. Das fantastische Baphomets Fluch ist jetzt seit einer Weile als Director’s Cut verfügbar, wenn auch nur zum Download bei Steam und Co. Man kann also einmal mehr, in klassischer Point&Click-Manier, mit George Stobbart (und nun auch mit Nico) um die Welt rätseln um die mysteriösen Morde des „Kostümkillers“ und die Geheimnisse der Tempelritter aufzudecken.

Es ist immer noch mein Lieblings-Adventure. Phantastisch gezeichnete und stimmungsvolle Hintergründe, auch wenn sie bei den heutigen Auflösungen im Vollbild natürlich schwächeln. Wundervolle Musik, die perfekt die jeweilige Szene unterstreicht. Hervorragende Vertonung, bei der sogar die deutsche Synchronisation dem Original nicht nachsteht. Tolle Dialoge, die auch immer wieder für ein Lachen gut sind. Und bis auf ein paar schwächen, gerade gegen Ende hin, eine gute Geschichte.

Ich will hier aber mehr auf das eingehen, was sich mit dem Director’s Cut getan hat. Denn jeder, der auch nur entfernt etwas mit Adventures anfangen kann, dürfte auch Baphomets Fluch schon gespielt haben. Wer es trotzdem noch nicht kennt. Hopp, spielen!

Immer noch hier? Ach du hast es schon gespielt, Ok Ok.

Der Director’s Cut also. Nach 14 Jahren hat Revolution Software nochmal die Möglichkeit bekommen, seinen längst zum Klassiker gewordenen Hit, zu erweitern. Was für eine Gelegenheit. Und insgesamt ist das gelungen, um dies mal vorweg zunehmen. Doch einige Dinge fallen leider negativ auf.

Die größte Erweiterung sind einige komplett neue Abschnitte, in denen man Nico spielt. Das von mir zitierte Intro kommt hier also etwas später. Stattdessen gibt es ein stark an das Frühere angelehnte, welches von der französischen Journalistin gesprochen wird. Diese Abschnitte liefern dabei etwas mehr Vorgeschichte zu den Morden des „Kostümkillers“, die im eigentlichen Spiel nur erwähnt wurden. Außerdem wird Nicos Vergangenheit etwas beleuchtet, inklusive der Beziehung zu ihren Eltern. Die ungefähr zwei Stunden Spielzeit fügen sich dabei insgesamt sehr gut ein und stehen dem Rest kaum nach. Kein Vergleich zu den fürchterlichen und am besten ganz verschwiegenen Teilen 3 und 4.

Eine weitere große Neuerung sind die Puzzles. Ich bin nicht unbedingt ein Puzzle-Gamer aber auch nicht von vornherein abgeneigt. Fakt ist, Baphomets Fluch ist auch sehr gut ohne Puzzles ausgekommen. Zumal diese spezielle Art von Rätsel schnell wie ein einfaches Mittel zur Spielzeitverlängerung wirkt und sich oft nicht wirklich gut in die Spielwelt einfügt. Beispielsweise gilt es in dem neuen Part, mit Nico, ein vergittertes Tor zu öffnen, das zu einem Versteck bestimmter Leute führt. Dieses Tor ist auf zwei Seiten mit einem Schieberätsel gesichert. Um die beiden zu lösen braucht man durchaus schon einige Minuten, was natürlich etwas merkwürdig anmutet wenn man bedenkt, was da für hochrangige Leute ein und ausgehen. Die knien sich also jedes mal hin und lösen zwei Puzzles bevor sie in ihr Geheimversteck können? Macht im Winter bestimmt viel Spaß. Gerade die Puzzles die in das ursprüngliche Spiel eingefügt wurden, finde ich wenig gelungen. Wobei das natürlich Geschmackssache ist, ein großer Teil der Adventurespieler scheint diese Knobeleien ja zu mögen.

Allerdings bringt mich das gleich zu einer weiteren Neuerung. Es gibt jetzt ein Hilfesystem für das ganze Spiel. Wenn man also an einem dieser Puzzles, oder natürlich an einer anderen Stelle, hängt, kann man sich Tipps dazu anzeigen lassen. Das ganze ist sehr gut gelöst und funktioniert abgestuft, sprich man bekommt erst nur einen dezenten Hinweis, was man eigentlich zu machen hat. Wenn man weitere Hilfestellung braucht, werden die Hinweise dann immer deutlicher, bis man am Schluss die Lösung verraten bekommt.

Pixelhunting wurde abgeschafft, was alles in allem eine gute Sache ist. Sobald man mit dem Mauszeiger auch nur in die Nähe eines Hotspots kommt, wird die Stelle mit einem blauen Kreis markiert. Weiterhin wird man jetzt von einem knappen Tagebuch über den bisherigen Fortschritt auf dem laufenden gehalten und man wechselt die Szenen jetzt mit einem Klick auf den Ausgang.

Kurz gesagt, das ganze Spiel wurde Einsteiger-, respektive Benutzerfreundlicher.

Eine der zweifelhaftesten Neuheiten ist dafür, dass scheinbar eine ganze Menge von den weniger relevanten Hotspots raus geschmissen wurden. Ich habe das mal in den Anfangsgebieten des alten Baphomets überprüft und da waren es bestimmt schon 3-4 die im Director’s Cut gefehlt haben. Wieso? Ja, das ist die Frage. Ich habe keine Ahnung. Das einzige was ich mir vorstellen könnte, wäre ein Zusammenhang mit der Wii und dem DS. Denn das Spiel kam zuerst (gleichzeitig) auf diesen beiden Konsolen raus und dann ein halbes Jahr später für den PC. Möglich wäre eine etwaige Größenlimitierung vom Handheld DS.

Ein anderes Ärgernis, sollte eigentlich überhaupt keines sein, denn es betrifft einen der weiteren neuen Inhalte. Für den Director’s Cut wurden, von Dave Gibbons, sechs sehr kurze Comics gezeichnet, die sich mit der Vorgeschichte der beiden Hauptfiguren befassen. Zum Beispiel wie George in das Kaffee in der Rue Chandalle Verte gekommen ist oder Einblicke in das Leben von Nico mit ihrem Vater. Das Problem ist, dass diese Comics in Zeiten von „Achievements“ natürlich freigeschaltet werden müssen. Nur bekommt man das nicht gesagt und in der Folge weiß man logischerweise auch nicht, wie man sie überhaupt freischaltet.

Aber zum Glück sind sich ja alle Tipps-Seiten darin einig, wie man das erreicht. Nämlich indem man das Spiel durchspielt. Puuh. Nur stimmt das irgendwie nicht so. Oh. Um diese Comics zu sehen muss man verschiedene Dinge im Spiel tun.

Wem das Spaß macht und wer das unbedingt selbst raus finden möchte, jetzt kommen LEICHTE MECHANISCHE SPOILER.  (Also nicht die Story betreffend)

Bis auf eines, welches man mit Nico lösen muss, beinhalten sie alle irgendeine Interaktion des Kanalisationsschlüssels von George mit einem anderen Gegenstand. Hier ist die einzige Zusammenstellung, die ich dazu finden konnte. Ich glaube sie stimmen alle, kann es aber nicht genau sagen da ich selbst nicht alle gefunden habe. Denn wie man in der Liste sieht, sind das stellenweise sehr absurde oder sogar tödliche Dinge. Wenn man die richtige Gegenstandkombination getroffen hat, ertönt das meckern der Ziege vom berüchtigten Rätsel aus Irland (das im übrigen stark vereinfacht wurde). Ich habe das „Mäh“ immer für einen Bug gehalten habe, als ich es gehört habe.

—SPOILER ENDE.—

Drei dieser Orte kann man, sobald man etwas weiter in der Story fortgeschritten ist, nicht mehr lösen. Also entweder man hat mehrere frühere Spielstände oder man muss das Spiel noch mal von vorne anfangen um die fehlenden Comic-Schnipsel zu sehen bekommen.

Nun, wie gesagt. Einige unschöne Aspekte, die völlig vermeidbar waren, aber insgesamt lohnt es sich bei dem günstigen Preis (gibt es natürlich auch bei anderen Download-Portalen) schon und wenn man das mit den „Unlockables“ gleich weiß, fällt einer der  Frustfaktoren auch direkt weg.

Baphomets Fluch Director’s Cut – Weniger ist mehr?

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